Sonntag, 1. Juli 2018

Abschiedsbrief ans Jobcenter nach 3925 Tagen Hartz IV

01. Juli 2018 - ab heute bin ich nicht mehr Kundin des Jobcenters Berlin Pankow
- vielleicht ist es nur ein kurzer "Urlaub" - aber jede Woche sollte für das Jobcenter ein Feiergrund sein.
 Besonders, da ich 3925 Tage durchgängig im Leistungsbezug (wenn auch nicht immer mit Zahlungen versorgt) stand...

DANKE JC 💗💗💗


Herzallerliebste Frau K.!

Ich freue mich sehr Ihnen folgende Mitteilung zu unterbreiten:
SIE SIND MICH LOS aus Ihrer Statistik! 
Ich habe zum 01. Juli 2018 KEINEN
FOLGEANTRAG gestellt.


Damit endet der offizielle Teil der Mail und mehr als dies ist meiner Akte
nicht beizufügen.

Weiter geht es PRIVAT:


Falls meine Abmeldung intern honoriert wird, wünsche ich beste Feierlaune
und dass wenigstens Sie die Lorbeeren ernten!

Ehrlich gesagt muss ich zugeben: meine Abmeldung hat so gar nichts mit dem Wirken der Jobcenter zu tun. Es ist schlichtweg dem Umstand geschuldet, für gute Honorarverträge kumuliert gut bezahlt zu werden.
Die Sanktionskaskaden vom letzten Jahr haben da auch nicht geholfen - höchstens ganz ganz indirekt, indem ich diese für meinen Trip, öffentlich von mir reden zu machen, selber gnadenlos instrumentalisiert habe - und somit ggf. auch der Wunsch erwuchs, jemanden wie mich mit einem bezahlten Auftrag zu betrauen (Achtung: reine Spekulation...).
Aber ich vermute eher, dass es wegen meiner Werbewirksamkeit zum Grundeinkommen so ist, denn meinen Auftraggebern gab ich immer bekannt, dass Bezahlung aktiv das Projekt "grundeinkommen-für-alle.org" fördert.

Ansonsten laufen ja noch diverse Sozialgerichtsprozesse und ich freue mich schon auf die eine oder andere Begegnung mit Jobcenterpersonal und Klärungen aller noch offenen Fragen!

Um meine Auftragslage zu halten und zu erweitern, werde ich auch künftig immer wieder Jobcentern meine vielfäligen Angebote unterbreiten.

Ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute und danke für die freundliche Zuarbeit für meine selbstgewählten und angenommenen Herausforderungen,

Ihre FriGGa Wendt

[...] Private Kontaktdaten für mögliche gewünschte private Kontaktaufnahme [...]


P.P.S.: bis oder falls wir uns in der Konstellation "Arbeitsvermittlerin-Antragstellerin" oder anderweitig einmal wiedersehen, gebe ich Ihnen und Ihren Mitdenkenden folgende Aufgabe:


Was sollen Selbständige machen, wenn ihre Arbeiten 

a) keiner bezahlen will/kann 
b) keiner nachfragt, weil alle wunschlos glücklich wären c) es mit Angestelltenjobs nicht besser aussieht?
Was soll mit Angestellten geschehen, wenn alle Arbeitgeber pleite sind oder keiner Angestellten zur Erreichung ihrer Ziele bedürfen?
Was soll passieren, wenn keine Kaufkraft mehr da ist, die es ermöglichen würde, Nachfrage und damit Arbeitsplätze oder Aufträge zu erschaffen?
Kurz: was soll mit allen passieren, wenn sich alle "die Welt, in der sie leben" nicht mehr leisten können?

Ich frage das, weil Frau H., Leiterin von 765, auch schon so ähnliche Fragen an mich hatte und ich die einer vertieften Betrachtung unter vielfältigen Gesichtspunkten würdig finde.


Die Antwort von Frau K. kam postwendend morgens am Montag, dem 2. Juli 2018
;-)

Sehr geehrte Frau Wendt,
vielen Dank für Ihre Mitteilung.
Ich gratuliere Ihnen, dass es Ihnen durch Ihren Fleiß und Ihr Engagement gelungen ist,
den Leistungsbezug nach den SGB II, zu beenden.
Ich wünsche Ihnen für Ihre persönliche und berufliche Zukunft alles Gute.
Ich würde dann den offiziellen Teil dieser E-Mail in die eAkte übernehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

[...]

Hier weiter(es dazu) im Aktuellen Tagebuch

Kommentare:

  1. Es wird Zeit für ner richtige Wende!

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    1. Ja - wer macht mit? Und wohin wenden wir eigentlich - wenn alle anders wenden, gibt es einen Tumult - wenn alle sich beim wenden verstärken - egal in welche Richtung - kann es einen Tornado geben ;-)

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  2. Gratuliere, dass Du den Ausgang aus der Hölle (Jobcenter) gefunden hast. Trotzdem wirst Du uns fehlen. Ich hoffe, Du lässt uns nicht ganz allein, mit solchen Typen wie Herrn L. und Herrn M., die es leider auch in anderen Jobcentern gibt, und meldest Dich hier ab und zu mal wieder zu Wort.

    M.S.

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    1. Ich bin doch noch lange nicht fertig mit dem JC ;-)
      Jetzt arbeite ich eine klage nach der nächsten ab...
      und mein Anwalt hat heute eine gewonnen ganz unspektakulär...

      Und lest mal meinen Brief ganz genau... aber mehr sage ich derzeit nicht - ich muss mich ja bemühen, dass nicht eintritt, womit ich doch stark rechne - einfach wenn ich rechne...

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    2. Ich gehe gern als Beistand mit, wenn ich Zeit habe - wie auch sonst so immer mal wieder. Ich war im letzten halben Jahr auch das eine oder andere Mal wieder auf Begleitungstour.
      Apropos Hölle: wenn man seinem Geld hinterherrennen, Stress mit der KV bekommt und der Wohnung, der GEZ usw. - niemand einen mehr für "arm" hält, weil man nicht "im Bezug" steht, ist das auch nicht einfach. Auch darüber ist zu berichten, wenn es was zu berichten gibt.
      Auch Leute wie Herr L. oder Herr M. kennen ggf. solche Ärgernisse und Huddeleien und manche von denen ärgern sich dann ganz besonders, wenn ihre Kundschaft das alles nicht hat und sich sogar durch die Hartz IV Hürden nicht sofort einschüchtern lässt. Diese SPALTUNG ist das Problem - viel tiefer als ein einzelner M. oder L. - die alle wären auch mit einer sehr restriktiven Einstellung gegenüber Freigeistern, Träumern und Kapitalismusverweigerern ungefährlich, wenn wir alle ein BGE hätten!

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  3. Hello Frigga, wenn du nun frei vom JC lebst, wie hoch ist dein Beitrag an die Krankenversicherung? Wie hast du das geregelt?

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    1. Danke der Nachfrage - KK noch unklar - habe denen einen Brief geschrieben mit vielen Fragen und der Mitteilung zu meinem freiberuflichen Einkommen - da in der Beratungsstunde die Leute mir auch nix genaues sagen konnten. ich muss aber ggf. auf 350-800 EUR eingestellt sein... 350 ist der Minimalbetrag und das steigt mit jedem bisschen Einkommen mehr recht schnell bis zur Höchstgrenze. Sie meinten auch, Ausgaben (die nötig waren, um das Einkommen zu erzielen) interessieren nicht, nur die Einnahmen, andere meinten, ich müsse in den ersten 4 Wochen im Nachversicherungsschutz GAR NICHTS zahlen...
      Das ist ein Universum voller Unklarheiten, Willkür, Zwangsverfügungen und Schuldknechtschaft für sich!
      Mir ist jemand bekannt, der hatte einen Berg KK-Schulden (weil er kein Geld hatte und nicht ALG-II "förderfähig" war als Studierender), der wurde dann so lange nicht beim Arzt behandelt (ruhendgestellte Leistungen), bis er die Schulden (im neuen Arbeitsverhältnis und regelmäßiger KK-Zahlung) restlos abgezahlt hatte.

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