Mittwoch, 28. August 2019

Kreide vor einem Gerichtsgebäude

Vor einem  Gerichtsgebäude in der norddeutschen Metropole H.
auf dem öffentlichen Straßenland waren am 27. 08. 2019 nachmittags Kreidemalereien erschienen, die sich so lasen:

"Grundrechte-für-alle.de von Anfang an beachten - und viele Prozesse sind überflüssig."

"Der Anspruch auf Menschenrechte ist ein terroristischer Anschlag auf Neoliberalismus und juristische Straflust."

"Staatsdienende mit Angst vor Kontrollverlust gehören in Weltrettung-durch-Therapie.de"

und ein kleines Strichmännchen neben dem Satz: "Sitzen Sie nicht so selbstgefällig da!"


Hier ein paar Fotos mir zugeschickt von Leuten vor Ort:







Eine Polizistin hielt eine vor Ort befindliche Person eine Weile auf und rief diverse Polizisten herbei. Die Einzelperson beschrieb ihr Empfinden von Diskriminierung ob einer repression gegen den schlichten Gebrauch von Kunst- und Meinungsäußerungsfreiheit sowie der zulässigen erweiterten Nutzung des Straßenlandes, in welchem an vielen Ort ungestraft mit harmloser Straßenkreide - eigens für solche Zwecke produziert - geworben, informiert, künstlerisch sich ausgetobt wird - von Menschen jeglichen Alters.***
Es entstand dann durch die Polizei Aufmerksamkeit, mehr Passanten als vordem wurden auf die Kreide aufmerksam. Eine Passantin fragte zivilcouragiert nach in der Befürchtung der "in einer Sicherheitsmaßnahme" befindlichen Bürgerin könne etwas zustoßen. Diese jedoch nutzte die

 
Zeit unfreiwilligen aufgehalten Werdens über die Folgen von Sanktionen in Hartz IV aufzuklären und über strafenden "Rechtspositivismus" und "Gehorsam des braven Bürgers", der "nur seinen Job mache". Sie fragte auch diverse Menschen mit oder ohne Uniform, ob diese mit ihr eine Spontankundgebung veranstalten würden - politisch gegen "diese Polizeimaßnahme".
Die Polizei indessen fragte in guter Entfernung Herumstehende, "ob sie zu der vermeintlichen Kreidemalerin gehörten", deren Personalien aufgenommen wurden.

Warum blogge ich denn eigentlich sowas?
Nur, weil es mal wieder deutlich eine NEUROTIK veranschaulicht, die Obrigkeitshandlungen oft zugrunde liegt, in dem Fall total PASSEND zum INHALT jener "Kreidesprüche"?****

Nein, denn da gab es doch neulich in Hamburg eine Gerichtsverhandlung wegen vermeintlich "uneidlicher Falschausage" als Folgeprozess von Folgeprozessen eines Prozesses gegen eine "Beleidigungsbriefe" schreibende von ihrem Jobcenter Schwersanktionierte ...
nun, die weitere Verhandlung fiel erstmal aus, da die Richterin nur in der Hoffnung auf "Einstellung gegen Bezahlung" spekuliert hatte, diese "Rechnung" aber ohne die Angeklagte** gemacht hat. Denn diese fand die unter der mahnenden Worten vorgebrachte Aussicht "auf einen ganz großen Prozess mit vielen Tagen und vielen Zeugen"eigentlich ganz gut, würde sie doch ihr eigenes Verfahren, mit dem die ganze Chose im Gericht begann, gern wieder aufrollen (lassen).

Chapeau!



**Die Angeklagte war bezichtigt worden, Aussagen über ihren eigenen Prozess wegen einer "Jobcenterbeleidigungspost" in falscher Erinnerung gehabt zu haben. Ihre Aussage stützte die These vieler Leute, dass ein Haufen Prozessbeobachtender nicht böswillig entgegen eines nicht klar vernehmbaren "Beschlusses" (ergo "autoritäts(willkür)aktes") den Hausfrieden auf ihrer Verhandlung gebrochen habe.
Nun, wenn jmd. aber verurteilt wird, dann müssen alle, die anderes ausgesagt haben, was diese These nicht stützt, halt gelogen haben. Logisch, oder?



Ein nicht vollständiger Vergleich: 
ich frage 10 Leute zu einer Sache. 5 sagen hü, 5 sagen hott, zwei sagen zusätzlich holla die Waldfee. auf den aussagen einer Gruppe, z.B. hott, begründe ich ein Urteil. Ergo müssen natürlich alle anderen gelogen haben...
Übertrüge man dieses Vorgehen auf die Naturwissenschaft, würde das bedeuten:
5 von 10 Aussagen werden als Messfehler deklariert. Die Hersteller von 4 Messgeräten einer Art werden belangt wegen Falschmessung. Der eine wird in Ruhe gelassen. von den "Richtigmessungen" wird ebenfalls einer belangt bzw. das versucht. Die Herstellerfirma ist im Ausland angesiedelt. Dieses Vorgehen hat nichts mit anständiger naturwissenschaftlicher Arbeit zu tun und würde auch zu einem anständigen Gerichtsverfahren nicht passen... aber diese vergleichende Aussage grenzt ggf. selber auch schon wieder an strafrechtlich relevantes.


übrigens: nachdem die Richterin meinte empfehlen zu können, was "für die Angeklagte besser sei" (in Hinblick auf das "Angebot", das Verfahren mit Geldzahlung einzustellen), ließ die Angeklagte sich nicht beirren und brachte vor, was ihrer Meinung nach für alle - inkl. die derzeitige Richterin - besser sei...  In einem normalen Gespräch auf Augenhöhe wäre es ein normales kontern gewesen.
Doch es fiel dann -der Erinnerung einer Prozessbeobachtenden folgend- eine Äußerung "Sie sitze da so selbstgefällig da!"seitens der Richterin.
Diese emotionale Äußerung missfiel der Angeklagten, denn wie sie dasitze habe doch keiner vorzuschreiben...
Darauf schloss die Richterin sehr abrupt die Verhandlung und sagte (die Angeklagte oder alle - es war nicht eindeutig)  könne nun gehen, "worum ich Sie bitte".
Eine Prozessbeobachtende, die Notizen anfertigte, fragte, was für Sanktionen vorgesehen seien, wenn sie noch im Saal bleiben und ihre Notizen abschließen wolle.
Darauf entgegnete die Richterin sinngemäß: "das fragen Sie mal die Angeklagte"...
aha... also hat diese gerade das Hausrecht? ist ausgebildete Juristin? Kennt die Gedanken und Beschlüsse der Richterin? Hmmm... wer weiß, was im Kopfe dieser Richterin vor sich ging.
Wer eine Aufforderung, die Mütze abzunehmen so formuliert:
"Den Herrn mit dem Cappy würde ich bitten dieses abzusetzen," der verlässt sich zudem sehr auf indirekte Autorität. War es eine BITTE oder ein BEFEHL? Grammatikalisch war es weder ein Imperativ noch ein Infinitiv, sondern nur ein Konjunktiv. Sie äußerte also ein Möglichkeit, ohne die Bedingungen zu nennen "ich würde Sie bitten", (ohne eine Bedingung hinzuzufügen: WENN... FALLS... )
Das mag HÖFLICH klingen, in Bezug auf eine FORDERUNG ist das aber nicht FÖRDERLICH, denn einer Bitte MUSS niemand entsprechen, auch nicht einem Konjunktiv ohne den entsprechenden Bedingungssatz weiß mensch zudem nicht, wann diese "Bitte" denn eintreten "würde"...
Es hat an dieser Stelle niemand GETESTET, ob auch auf die "als Forderung gemeinte Konjunktiv-(Stimmungs)bekundung" eine "von der Gehorsamserwartung abweichende Handlung" Strafen oder Repressionen nach sich gezogen hätte. Der allgemeine Stimmungspegel "zwischen den Zeilen" ließ das vermuten - aber eine Vermutung ist natürlich nur eine Vermutung, solange es keinen klaren Beweis gibt... jedenfalls wenn sie von einer Nichtjuristin stammt...



***In Berlin haben sich schon viele derartige Hinweise in Kreideform vor Jobcentern, Sozial- und Strafgerichten, aber auch anderen öffentlichen Plätzen gefunden und oft haben Polizisten, so sie solches bemerkten, dieses (einfach nur schmunzelnd) angeschaut. Es soll auch Urteile und Beschlüse geben, die bereits angezeigten "Kreidekünstlern" eindeutig die Unstrafbarkeit solcher Handlungen zubilligten.
Einmal ist eine Wohnungslosenaktivistin ins Visier geraten, als sie beim Kreiden auf der Straße zum Grundrecht auf Wohnen einen markierten Parkplatz vor einem Ministerium übermalte... eine dieses Geschehen fotografierende Künstlerin war dann in einen Disput mit einer Wachschützerin geraten und hatte dann auch eine Personalienaufnahme seitens der Polizei.
Nun ja, es war NICHTS erfolgt, dennoch hatte sich vor allem die in Deutschland nur zu Studienaustauschzwecken geduldete Fotografin über diese Maßnahme sehr erschreckt.
Ihre Arbeit und Ausstellung hat sie aber dennoch fortgesetzt.


**** wird dieser Artikel, Blog oder deren Verantwortliche dafür oder deswegen ANGEGRIFFEN, dann bestätigt das NOCH MEHR hypothetische Ableitungen, dass ein Rechtsstaat faktisch nicht (mehr) umgesetzt, dafür aber Gesinnungszensur an der Tagesordnung sei...

Kommentare:

  1. "In Berlin haben sich schon viele derartige Hinweise in Kreideform vor Jobcentern, Sozial- und Strafgerichten, aber auch anderen öffentlichen Plätzen gefunden und oft haben Polizisten, so sie solches bemerkten, dieses (einfach nur schmunzelnd) angeschaut."

    Das ist ja richtig peinlich für Hamburg und seine Polizei. In Hamburg leben aber auch die reichen Pfeffersäcke, deshalb greift die Staatsmacht natürlich gegen solche "Berliner Kreidekünstler" hart durch. Das wäre ja noch schöner, wenn in der Hansestadt Hamburg "Chaoten" mit Kreide die Ordnung untergraben wollen.

    "Die Polizei - dein Freund und Helfer."

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    1. Besonders hervorgehoben haben die Polizisten, dass "es vor einem Gerichtsgebäude eine andere Außenwirkung hätte als wenn man irgendwo in der Stadt sonstwo auf einem Gehweg sowas gekreidet hätte"... ja klar, wird ja schon einen Grund haben, warum (politische) Künstler sich genau die entsprechende Location vorher ansehen, in deren Nähe sie natürlich auf entsprechende Sensibilität bei Passanten hoffen...

      Wir sind jetzt einmal gespannt, ob hier bald von einem neuen Strafzettel oder ähnlichem die Rede sein wird, auf welchen es vermutlich wieder Einspruch u. ggf. Hauptverhandlung geben könnte, wenn die Hamburger Polizei "es so will".
      Sie kann nachträgliche Bestrafungsmaßnahmen, die wiederum zu Öffentlichkeit führen wie z.B. zur Begegnung mit der zivilcouragierten Frau, natürlich auch einfach lassen ;-)

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    2. ...das eine Christine K. und eine FriGGa Wendt sich einmal kennenlernen durften, lag schließlich auch an repressiven Wertungen und Praktiken der Staatsgewalt... auch wurde dieser Blog als unmittelbare Reaktion auf den ersten Strafbefehl gegen jene FriGGa eröffnet... das alles dank der Arbeit der Hamburger Polizei, die sich nicht nur im Umgang mit globalisierungskritischen Demos einen Namen gemacht hat...

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    3. Hamburg, die Stadt der reichen Pfeffersäcke.

      In Hamburg ...
      ... lebt fast jeder Fünfte in Armut oder ist armutsgefährdet.
      .. wächst jedes vierte Kind in Armut oder in finanziell schwierigen Verhältnissen auf. 
      ... sind rund 32.000 Menschen arm trotz Arbeit – sie müssen aufstocken, weil ihr Lohn nicht zum Leben reicht.
      ... gibt es rund 16.000 Wohnungsnotfälle – ihnen droht Obdach- oder Wohnungslosigkeit, weil es zu wenige Sozialwohnungen gibt.
      ... sind über 45 Prozent der Alleinerziehenden mit Kind(ern) abhängig von Hartz IV.
      ... müssen über 45.000 Menschen von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung leben.
      [Quelle: Sozialverband Deutschland - SoVD, 2019]

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    4. Der Kommentar von anonym besagte was von "reichen Pfeffersäcken" - was sicher nicht umfasst, dass GANZ HAMBURG von AUSSSCHLIESSLICH reichen "Pfeffersäcken" bewohnt wird ;-)

      Dass es zudem wie auch bundesweit viel finanzielle Armut gibt, sollte auch obiger/m "anonym" bekannt sein. Danke dennoch für den ausgleichenden Hinweis, denn es soll bestimmt kein "Bashing zwischen Berlin und Hamburg" kultiviert werden ;-)

      Was die Kreide angeht: nun, das kennt man in HH vielleicht noch nicht so sehr?
      Vielleicht sollten Aktivisten das nächste Mal einfach in der gesamten Stadt eine Sondernutzung beantragen für Kreidespruchkunst im öffentlichen Straßenrand (nicht öffentliches muss zudem ersichtlich gekennzeichnet sein)... am besten für einen sehr langen zeitraum... und bis dahin schauen, wieviel GELD die Justiz noch ausgeben möchte für diesen skurrilen Fall und dessen "Spin-offs" - was komplett unterblieben würde - wie schon die Kreide andeutete, wenn "Grundrechte von Anfang an beachtet worden wären".

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    5. Anonym 1 und Anonym 2 sind identisch. Mit den reichen Pfeffersäcken war das auch eher "lustig" gemeint, denn Hamburg hat zwar noch seine Villengegenden, wo die "reichen Pfeffersäcke" leben, aber immer mehr Armut macht sich auch in Hamburg seit der Agenda 2010 breit (siehe SoVD). Berlin, Hamburg, Köln, München, ... überall in Deutschland nimmt die Armut zu, während unsere überbezahlten Politiker Däumchen drehen und das Sozialgesetzbuch sogar noch verschärfen möchten. Es ist ohnehin schon eine Frechheit, dass man dieses abartige Werk als "Sozial"gesetzbuch bezeichnet, denn mit "Sozial" hat das alles nichts mehr zu tun.

      Wenn Hamburgs Polizei mehr in der Hansestadt Streife laufen würden - um die Bürger zu schützen - wäre das Steuergeld für die "Blaumänner" auch besser angelegt. Aber harmlose Kreidezeichner aus Berlin scheinen ja wichtiger und auch gefährlicher für Hamburgs Gesetzeshüter zu sein. In Berlin ist es aber doch ähnlich, denn um den Reichstag sieht man Tag und Nacht haufenweise Polizei herumlaufen, damit unsere sogenannten Volksvertreter auch ja nicht vom einfachen Volk belästigt werden. Am nahegelegenen Alexanderplatz hingegen, sieht man ab 20 Uhr keinen Polizisten mehr und deshalb traut sich ab 20 Uhr der "Normalbürger" da auch nicht mehr hin.

      Das wird hier noch so kommen wie in den USA. Die Reichen haben in den USA eine Privatpolizei und die armen Bürger werden von der regulären Polizei niedergeknüppelt, wenn sie sich über ihre Armut beschweren.

      "Wir sitzen in einem Zug, der auf den Abgrund zurast. Schauen Sie sich die USA an. Das ist gelebter Kapitalismus im Endstadium. Die Reichen haben sich komplett zurückgezogen. Eigene Wohnviertel mit Zäunen und Sicherheitspersonal, eigene Kindergärten, Schulen, Unis, Krankenhäuser. Die Mittelschicht braucht zwei Jobs parallel, um überhaupt halbwegs klar zu kommen. Das letzte Drittel sitzt komplett im Dreck, obdachlos oder in Vierteln, in die sich nicht mal mehr die Polizei traut. 95% aller amerikanischen Medien befinden sich in der Hand fünf reicher Familien. Und auf diesen Abgrund rasen wir hier auch zu. Aber keiner traut sich, die Notbremse zu ziehen. Alles was wir tun ist, alle vier Jahre den Lokführer zu tauschen und zu sagen: 'Halt Kurs und gib Gas!" [Volker Pispers (Kabarettist)]

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  2. Mein Vorschlag wäre da jetzt an der Stelle mal ein paar Kinder vor diesem Gerichtsgebäude da solche “Hopsekästchen“ mit Kreide auf malen zu lassen.
    Und dann sollen sie da vor diesem Gerichtsgebäude mal Hopse spielen.
    Hopsen ist ja jetzt wohl auch sogar politisch wieder total anjesacht !
    Ja und dann mal beobachten, wie die Hamburger Ordnungsmacht mit sowas umgeht.

    Und was “selbstgefälliges Dasitzen“ in so einer Gerichtsverhandlung anbelangt !?
    Tja - naja - also so ein selbstgefälliges Dasitzen, signalisiert schon eine gewisse Respektlosigkeit.
    Und DAGEGEN hat sich die Richterin gewehrt. Kann ich schon nachvollziehen (zumal sie sich als RichterIN möglicherweise auch heute noch immer mal hier und da mit kleinen Respektlosigkeiten rumschlagen muss).
    Man kann gegenüber einem System so viel Verachtung empfinden, wie man will.
    Aber wenn es um eine Zusammenkunft um eine rechtliche Klärung einer Angelegenheit geht, ist es immer verkehrt, wenn man da schon im Vorhinein negative Signale gibt.
    Ist man auf Grund von gewisser Betroffenheit nicht dazu in der Lage, wohlwollende Signale zu geben, sollte man bei solchen Verhandlungen gar nicht erst zugegen sein, sondern sich immer anwaltlich vertreten lassen !
    Den DAS ist ja auch der eigentliche Sinn von einer anwaltlichen Vertretung !!
    Weil, als Betroffener (egal ob als Angeklagter oder auch Opfer (z.B. Vergewaltigungs- o. Missbrauchsopfer)) kann man gar nicht die Disziplin komplett aufrecht erhalten, um da sich nicht weiter rein zu reiten (als Angeklagter), oder noch mehr und wieder verletzt zu werden (als Opfer).

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    1. @Andreas

      "Man kann gegenüber einem System so viel Verachtung empfinden, wie man will. Aber wenn es um eine Zusammenkunft um eine rechtliche Klärung einer Angelegenheit geht, ist es immer verkehrt, wenn man da schon im Vorhinein negative Signale gibt."

      Das sehe ich ähnlich. Diese Leute muss man mit anderen Waffen schlagen. Als Ralph Boes damals als 55-Jähriger im Schneidersitz bei 'Maischberger' saß, hat er sich und dem Kampf gegen das unmenschliche Hartz IV keinen Gefallen getan, denn der "Normalbürger" hat das gleich als Lümmelei einen alten Mannes abgetan und gar nicht mehr auf die Sätze von Herrn Boes gehört. Nichtsdestotrotz war und ist Ralph natürlich - neben Inge Hannemann - für die Abschaffung der Hartz IV Sklaverei unersetzlich. Wenn man aber etwas verändern will, dann muss man mit den Wölfen so lange heulen, bis man den Leitwolf erledigt hat und man dann ein gesundes Rudel (in diesem Fall einen echten demokratischen Sozialstaat) aufbauen kann. Ralph Boes hat aber damals durch sein Auftreten (Schneidersitz) der Bildzeitung nur Material für die naiven Bürger geliefert, die ohnehin nicht mehr begreifen, was in diesem Staat seit Jahren alles schiefläuft.
      https://www.bild.de/politik/inland/hartz-4/ralph-boes-schnorrer-bei-maischberger-talkshow-27539574.bild.html

      Frigga macht das hier auf dem Blog aber sehr gut, indem sie die Dummheiten des Systems öffentlich macht und sich juristisch gegen diese Marionetten des Systems wehrt. Dass die Gerichte leider oftmals auch nur noch an Marionettenfäden der Oberen Zehntausend hängen, ist auch schon lange nicht mehr zu übersehen.

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    2. "... denn der "Normalbürger" hat das gleich als Lümmelei eines alten Mannes abgetan ..."

      Der Normalbürger hat schon vor sehr langer Zeit das selbstständige Denken eingestellt. Für die breite Masse der Bürger "denkt" heute die Springerpresse und der Bertelsmann-TV-Sender RTL. Der Leitwolf - besser bekannt als Kapitalismus - hat die naiven Bürger mit seinen Mainstreammedien fest im Griff.

      "Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)

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    3. Bevor Ralph B. eine bestimmte Frau Maischberger aufsuchte, um in ihrer Sendung seine Ansichten vorsichtig einem zuvor unerschlossenen Publikum nahezubringen, traf er sich mit ein paar Leuten, die die Situation von unterschiedl.Seite vorbereiteten.
      Eine gewisse FriGGa fand die Idee cool, dass er sich "wie immer" hinsetzen würde - im Schneidersitz - um in seiner eigenen Kraft zu sein, sich äußerlich - vorgesehen als der aktuelle Hartz-IV-Tanzbär - abzugrenzen von den Deutungsmustern der anderen.
      Gerade das bürgerliche (Rest)gemüt in etlichen "die Welt muss anderswerden" Rufenen lehnte das dann ab, als würde einem eine "tür zugeschlagen" werden bei einer "masse" die vertreten durch ihre Individuen engehalten ist, selber zu denken.
      Das zeigt eine enorme PROJEKTION weg von der eigenen Handlungsoption auf einen menschen. Ralph Boes ist also nicht nur "der skandalöse Hartzer" für die einen, sondern auch der "ungehobelte Hartzrebell" (den man besser verstecken sollte im "ernsthaften Widerstand") für die anderen. Wer von allen Hartz IV-selbstbetroffenen Widerständigen ist das (in jeweils provinziellerer oder familiärerer Bekanntheit) nicht?
      Gott sei dank gibt es nicht "den Normalbürger", "herrn oder Frau Durchschnitt". Maischbergers Sendung ist nicht für eine vertiefte Gesprächskultur, aber dennoch können Leute da mehr einwerfen und im Laufe der Zeit sagen als etwa in der BILD. Apropos BILD: Ralphs zitate, die in der BILD gebracht wurden, waren zwar kurz aber treffend. Wer verstehen will, verstehe sage ich nur...
      Und das unabhängig vom shcmähenden Unterton, der generell eine Erwerbslogik als NORMATIV setzend, (nicht nur in der BILD) vorhanden ist.
      Da muss einfach der "konditionierte Normalbürger (m/w/d)" an sich arbeiten und seinen eigenen Wertekanon hinterfragen. Anlässe dazu bekommt er (vielleicht noch nicht) genug im eigenen Leben. Ob ein roter schal mehr provoziert als die Tatsache, wie Ämter ihn herumschubsen inkl. der mitarbeitenden in den Ämtern, die ebenso geschubst sich fühlen... das "dienen dem Herrn, Gott und Vaterland" muss er genauso hinterfragen wie seinen Dienst gegenüber dem Mammon und seine Lust, in immer neuere Konsumwelten abzutauchen.
      Natürlich kann sich "unsereins" der Bewusstmachenden, zur Bewusstmachung mit kreativem/Kunst/und anderen Stilmitteln "Provozierenden" sich berufen fühlenden Individuen stilistisch und taktisch hier und da anpassen, um "überhaupt angehört" zu werden. Das war bei RB passiert bei Maischberger - mit oder ohne Schneidersitz, denn schon seine BIOGRAPHIE hat die Gemüter erhitzt.
      Diversität mit SCHNITTMENGEN in "Notgemeinschaften" KANN zerspalten, aber genauso hats Potential, sich auf die einem wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und im eigenen Spießbürger(rest)gefühl toleranter zu werden :-)
      Ich glaube auch nicht, dass nur ganz wenige (inkl. mir) "denken" und die mehrheit der anderen nicht. Ich beobachte zwar, dass viele "eingelullt" oder "eingebunden" sind (in Probleme, Abläufe, Hamsterräder und auch "Erfolge"), und somit werbe ich "über den Tellerrand für einander wahrnehmen", für Solidarität mit dem Grundrecht des individuums, auch jenem, das "mein Feind" sein könnte. Ich muss mich dazu (ggf. von mir für ungut bewerteten (Denk)mustern) nicht unterordnen oder anpassen. Denn Grundrechte hat niemand "weil er nett" ist oder "weil er brauchbar ist", sondern "weil er Mensch ist".

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    4. "der Normalbürger" ist eine in der Realität nicht vorliegende Projektion zum Konditionieren der Individuen, die sich stärker oder schwächer daran annähern... es ist ein Prinzip, das Abweichungen bestraft - wie ein Rückstellkraft einer Feder, wie der Zusammenhalt von Elementaren "Quarks" in einem Nukleon... und doch ist diese Rückstellkraft kein "Naturgesetz", sondern etwas, das wir alle mit unseren individuellen Entscheidungen und Toleranzen mitgestalten

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    5. @ Anonym am 30. August 2019 um 06:26
      Jetzt komme ich erst dazu, Ihnen etwas zu antworten.

      Ja, also diesen Auftritt von Herrn Boes in dieser Talkshow bei Maischberger, würde ich nun wieder nicht sooo direkt mit einer Gerichtsverhandlung vergleichen - wenn auch bei vielen Fernsehzuschauern beim ansehen dieser Talkshow in ihren Köpfen ein Gerichtsurteil über den Ralph Boes gefällt worden ist !?!?

      Na ja ich meine eine Fernsehshow ist eine Show !
      Und ich wiederum finde, mit dieser Schneidersitzsitzung von Ralph Boes, hat sich diese GEZ-Gebühr durchaus mal ein bisschen gelohnt.
      Immerhin hat er vorher seine Schuhe ausgezogen !
      Und im Schneidersitz sitzen kann auch nicht unbedingt jeder so. :-)

      Was bei Ralph Boes aber viel provokanter war, waren seine Ansichten über Arbeit an sich (er definiert sich Arbeit philosophisch selber !).
      Mir haben ja die Ohren geschlackert. Der hat doch da glatt einen Schwank aus MEINEM (!) Leben erzählt !
      Wenn er aber bei diesen Texten von ihm da einfach so wie die anderen “Normalo-Talkshowteilnehmer“ dabei dagesessen hätte, könnte ich mir vorstellen, dass dann viele Zuschauer (und vielleicht sogar die anderen Talkshowteilnehmer auch) seine Sätze gar nicht verstanden hätten (oder deutlich weniger).
      Also sein Schneidersitz war zu mindestens - in durchaus sozialverträglicher Weise, wie ich finde - in Harmonie mit seinen Statements in dieser Sendung.

      Außerdem fand ich die Teilnehmerbesetzung diese Talkshow sehr schön repräsentativ.
      Da war die gestockholmsyndromte Malocherin, dann die Fraktion die dieses “Faule-Hartzer-Narrativ“ aufrecht erhält, eine Hobby-Berufstussy die sich was leisten will, und ein - naja - kurz vor der Rente stehender Vollstrecker, und sogar eine Links-Politikerin.
      Und da mitten drin einer der denen was von Freiheit erzählt - im Schneidersitz !
      Da wird mir hier gerade so beim schreiben klar, was er (Ralph Boes) vergessen hat noch dabei zu haben.
      Eine Calumet-Pfeife ! :-)

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  3. Hier geht es auch um eine "Kreidezeichnung"

    >Die Feuerzangenbowle - Die Zeichnung<
    https://www.youtube.com/watch?v=Q8imVWQgNJE

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